© Jörg Berkner

Halbleiter aus Frankfurt
Vorwort

Mit dem Herzen des Wissenschaftlers und der Seele des Halbleiterwerkers wehrt sich der Autor dieser Chronik erfolgreich gegen das Vergessen eines Stücks selbst erlebter Geschichte. Er scheute weder umfangreiche Recherchen verstreuten Archivmaterials noch zahlreiche Gespräche mit Zeitzeugen, um wahr und objektiv zu sein. Solche Absicht bedarf neben großen Fleißes der Ernsthaftigkeit des Bemühens und gelingt nur mit der richtigen Auswahl gesicherter Fakten, der Genauigkeit der sachlichen und zeitlichen Darstellung und einer präzisen Fachsprache, soweit fachliche Details zu benennen sind. In allem beweist der Chronist Kompetenz. Dabei nimmt er in Kauf, von Insidern kritisch beurteilt zu werden, wenn er sich im Rückblick nicht nur auf Erfolge im Halbleiterwerk Frankfurt (Oder) beschränkt, sondern auch schwierige Sachverhalte nicht übersieht. Nur so erhält der Leser ein abgerundetes Bild über die Geschichte des HFO. Dem Eingeweihten wird im Gedächtnis Verborgenes aufgefrischt, zugleich aber auch manches offenbart, was ihm in damaliger Gegenwart verborgen blieb. Geschichte lebt von Geschichten. Getreu dieser Tatsache erinnert bei aller Wertschätzung der Technik der Autor auch an die Menschen, die sie zu meistern hatten und ist bemüht, einen Einblick in das gesellschaftliche Umfeld damaliger Zeit zu vermitteln. Lobenswert, dass er dabei auch der heiteren Seite der Betriebsgeschichte die Tür einen Spalt breit öffnet.

Mit neuen Ideen wechseln auch gefährlich
die Maßstäbe für die Taten von gestern.

Stefan Zweig

Uns, die wir gemeinsam mit dem Autor ein Stück der Betriebsgeschichte des Halbleiterwerkes Frankfurt (Oder) erlebten, ist die Erinnerung das einzige, was blieb. Wir haben Anlass zum Dank für seine bewahrte Anteilnahme und das spürbare Bemühen um eine präzise Bewertung zurückliegender Jahre. Damit unterscheidet er sich wohltuend von solchen Historikern, unter deren Feder sich auch die Vergangenheit ändert und denen, die gar aus spätem Hass oder auch besonderer Gunst Legenden erfinden. In seinen Maximen und Reflexionen schrieb Goethe: „Eine Chronik schreibt nur derjenige, dem die Gegenwart wichtig ist.“ Diesem Werturteil hat der Autor des vorliegenden Buches mit Blick zurück und nach vorn voll entsprochen.

Frankfurt (Oder), im März 2005

Kurt Padel

Angehöriger des Halbleiterwerkes Frankfurt (Oder) in den Jahren 1958 bis 1991